Meritas Story
Wie schnell sich doch etwas ändern kann!
neueste Einträge zuoberst!
Schreipfeeler:
Immer wieder werde ich von mir selbst darauf aufmerksam gemacht, dass ich einige Schreibfehler mache in meinen Berichten, die ich aber meist erst in den folgenden Tagen entdecke. Bitte seht doch grosszügig darüber hinweg, ich schreibe die Berichte meist "quick & dirty". Oder anders gesagt, wer Schreibfehler findet darf sie gerne behalten. Ich könnte es schon besser :-)
Danke fürs Verständnis
Liebe Leserinnen und Leser!
Diese einfache Webseite soll dir ermöglichen, den aktuellen Stand Meritas Unfalleschichte zu verfolgen. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne persönlich Antwort gebe, aber vielleicht muss ich einige Fragen nicht tausendmal beantworten und mache auch keine Lücke in meinen Erzählungen. Ich habe bereits festgestellt wie schwierig es ist, im Überblick zu haben, wem ich bereits was wie ausführlich erzählt habe. Aber nochmals meine Bitte: Fragt ruhig bei mir nach! Ich gebe zu, dass dieses Internet auch eine unpersönliche Note hat. Danke auf jeden Fall für dein Mitdenken, -tragen, -beten und -teilen.
Liebe Grüsse
Stephan

Merita hat wirklich nette Geschenke erhalten über die sie sich auch gefreut hat, doch für den Reise nach Bellikon ist das Handgepäck beschränkt. Zudem muss Sie nach wie vor zu jedem Praline eine Feige essen und mehr als einmal duschen am Tag ist ungesund. Also auf Meritas Wunsch, bis auf weiteres die Geschenke selber essen oder aufbrauchen...
Merita wohnt wieder zuhause an der Florastrasse 38. hier sind die Besuchszeiten grundsätzlich 24h/Tag. Aber wenn es dunkel ist, nur auf Voranmeldung :-)
![]()
(Brief-)Post erfreut natürlich immer und dazu braucht es eine Adresse, die lautet:
Merita Göldi
Florastrasse 38
8610 Uster
Telefon: 044 942 00 77
Merita kann zur Zeit SMS empfangen. Erwartet aber nicht, dass sie zurückschreibt, lesen wird sie diese aber bestimmt.
Ich habe ja noch weitere Einträge versprochen und es hat jetzt eine Weile gedauert, bis wieder einer erscheint und möglicherweise schreib ich den nur für mich alleine, weil ihn niemand anders mehr liest.
Auf jeden Fall hat sich Meritas Zustand weiter verbessert und der Gesundheitszustand "steigt" weiter an. Sie geht seit dem 29. Dezember ohne Stöcke und hat damit auch wieder die Hände frei, um den Leuten, die sie sieht, zu Winken. Bis zu dieser Woche, durfte sie dreimal wöchentlich zum Physiolterknecht, der sich vor allem liebevoll um das Bein kümmert. Jetzt wurde die Dosis auf zweimal wöchentlich reduziert (auf Empfehlung des Ohrenarztes*). Nein, so schlimm ist es nicht, aber die Biegung muss natürlich stets erweitert werden, immer etwas über der Schmerzgrenze.
*also derjenige des Physiotherapeuten
Auch das Unispital spielt immer noch eine Rolle. Anfang Dezember wurde Merita zu einem Happening mit vielen Ärzten, Röntgen und weiteren Attraktionen eingeladen. Die Untersuchungen waren minuziös geplant und alle Resultate waren erwartungsgemäss positiv. Nächste Woche wäre nun ein weiterer Untersuch vorgesehen gewesen. Mangels Ärzten wurde er aber verschoben. Für den Aufbau und das Training der Rückenmuskulatur, wollte der Arzt in Uster die Röntgenbilder sehen, also hat Merita die Bilder und Berichte beim Unispital bestellt (vielleicht sind sie ja aufgetaucht). Zuerst trafen die OP-Berichte ein. Das war äusserst spannend und mit Internetlexikon sogar einigermassen verständlich. Es gingen sogar einige Lichtlein auf. Z.B. warum die zweite Operation mit Netto-OP-Zeit 170 min. länger als geplant gedauert hatte. Die haben nämlich das eingebaute Cage (Wirbelkörperersatz) nochmals tauschen müssen, weil es zu klein war. Man liest auch dass Merita einen GCS 15 gehabt hat, als sie in der Wiese lag. Oder einige Zeilen aus der ersten Diagnose:
"Ossär: Dislozierte Fraktur der Skapula links durch die Fossa supraspinata / den Angulus superior, die sich über das Tuberculum deltoideum knapp bis zur Margo medialis in die Fossa infraspinata ausdehnt. Acronium und Glenoid sowie Coracoid und miterfasster Humerus intakt. Fraktur Processus transversus li L2. Stummelrippen L1 bds."
Könnte gut auch eine Wegbeschreibung vom Hotel in Spanien an dessen Strand sein. Gewisse Bereiche der OP-Berichte lesen sich dann wiederum eher wie IKEA-Anleitungen:
"Die Montage (Osteosynthese) wird mittels Kleinfragment-T-Platte durchgeführt, wobei erst eine konventionelle Schraube genommen wird, um die Platte anzudrücken. Im T-Schenkel proximal, ventral und dorsal je eine konventionelle Schraube, in das lange Eck zwei winkelstabile Schrauben. Im T-Schenkel distal weitere winkelstabile Schrauben. Und schon ist ihr Bjørk fertig montiert."
Zwei Korrekturen erfolgten durch die Redaktion.
Heute sind noch die Röntgen- und CT-Bilder bei uns zuhause eingetroffen, n elektronischer Form, versteht sich. Ganze 6, also in Wörtern *SECHS*, CD voll mit Bildmaterial und sogar den entsprechenden Programmen dazu. Als Informatiker finde ich dies natürlich faszinierend (siehe hier ein Bild des Rückens ). Wer von euch LeserInnen hat dann schon mal zuhause auf dem PC einen Verwandten oder Bekannten Milimeter für Milimeter durchforstet und nach medizinischen Unregelmässigkeiten gesucht? Das ist wirklich möglich, so wie im Film bei Dr. House oder wo auch immer. Ich habe mich sogar gefragt, ob das nicht jeder von sich selbst haben sollte. Wenn dann mal ein Schmerz auftaucht könnte man kurz die entsprechenden Bilder konsultieren und schon wüsste man, was es ist. Vielleicht haben wir in einigen Jahren einen kleinen Handcomputertomographen mit Computeranschluss für den Heimgebrauch zuhause.
Zurück zu Merita. Natürlich braucht es weiterhin viel Geduld und Zeit für die Übungen und die richtige Perspektive für die nicht mehr riesigen Fortschritte. Vor allem das Velofahren vermisst Merita, das einbeinig nicht so gut geht. Dafür ist ihre angst vor dem Spital fast schon einer Neugier gewichen. Beim beusch einer Freundin im Spital wollte sie genau wissen, was wie und wo und verschenkte sogar ihre restlichen Spritzen.
Alles in allem ist Merita also auf guten Wegen, etwas langsamer als früher und noch mit etwas asymmetrischer Gangart...
Vielen Dank fürs Mitlesen und auch die Rückfütterer (Feedbacks) zu diesen Berichten. Ich werde dieses Tagebuch nun einstellen (,wenn ich eine passende Vase finde). Liebe Grüsse und ein gutes neues Jahr 2007.
Der Mann dessen Frau mit der Leiter tanzte
Eintrag zum Di. 09.01.07
Das haben sie wieder clever gemacht! Merita ging heute das erste Mal in die Apotheke. Sie muss jeden Tag Blutverdünnung als Spritze zu sich geben und Schmerzmittel als Tabletten zu sich nehmen. Mit einer äusserst knapp berechneten und hart erbitteten Notration wurde sie nachhause entlassen, so dass bereits heute ein Gang in die Apotheke nötig war. Das ist in ihrer Verfassung eine richtige Reise und die wird sogar noch länger, wenn man den falschen Bus nimmt (aua, ja ich lösch das dann wieder!). In der Apotheke will man ihr zwei Spritzen geben und Tabletten für drei Tage .Seht ihr nun wie clever. Also für die Spritzen jeden zweiten Tag und für die Tabletten jeden dritten Tag. Das geht nicht auf, so muss sie glatt fast jeden Tag (an 14 von 21 Tagen, Sonntage sind auch drin) in die Apotheke pilgern. Gut für die Physiotypen, die so mehr Bewegung hinkriegen und gut für die Apotheke, denn wenn Sie schon da ist, zeigen Sie noch Kosmetika, schönere Stützstrümpfe und vieles mehr.
Natürlich konnte Merita die gute Apotheke davon überzeugen, dass die grössere Schachtel richtiger wäre. Jetzt muss sie erst in zehn Tagen wieder zum Pharmatopf pilgern.
Eintrag zum Do.23.11.06
Ja tatsächlich, Merita hat 60° erreicht. Natürlich ist das nicht die Temperatur, sondern der Winkel des linken Beines, also die Kniebeuge kann schon wieder bis 60° gebeugt werden. Das ist doch was! Mit der Physio zusammen wird dieser Wert nun weiter erhöht (360° wird sie zwar nie erreichen), die 60°-Marke war einfach diejenige die erreicht werden musste vor dem Nachhausegehen. Wer richtig kombiniert, weiss nun, dass Sie entlassen wird und zwar morgen Mittwoch in der Früh (11.00 Uhr). Fertig Bellikon, ab in die REHA Flora38. Hier ist alles bereit, die Parcours und Übungen sind eingerichtet. Die Treppenstufen sind eingeölt, so dass für das Glatteis im Winter geübt werden kann. Die Duschwanne ist nicht mehr ebenerdig, sondern fordert die 60° knallhart ein. Der Lift wurde ausser Betrieb genommen, das Essen wird zwar noch gekocht, aber es gibt keine Auswahl mehr. Der Diätkoch weiss genau, was gut ist (hm, was er gut finded). Es gibt weiterhin keine Klingel am Bett und auch keine speziellen Physiogeräte. Geübt wird nun mit Alltagsgegenständen, z.B. Computermaus verschieben oder die Sachen suchen, die jetzt weiter gestreut werden können als im Einzelzimmer. Wir werden uns ein vielfältiges Programm einfallen lassen.
Merita wird in Uster dreimal die Woche zur Physiotherapie gehen müssen und dann gelegentlich ins Kraftraining. Die anderen Therapien werden ersatzlos gestrichen, da der Alltag etwas mehr anstrengend sein wird. Die Medikamente können dann koninuierlich reduziert werden. Merita hat bereits damit begonnen, die Einahme hin und wieder zu vergessen.
Ich werde hier in losen Folgen von Ihren Fortschritten und meinen Erlebnissen berichten. Bellikon gab einfach nicht so viel her in dieser Hinsicht...
Eintrag zum Di. 21.10.06
...aber bis es jeweils soweit ist, dauert es eine Weile. Sie ist neu im Stützstrumpfklub, eine Art Geheimvereinigung mit einigen Mitgliedern in Bellikon. Vorhin noch nie gehört, aber als Merita einen Strumpf verschrieben bekam und sie dies am Mittagstisch erwähnte, outeten sich andere und begrüssten sie im Klub. Jetzt noch einige Angaben zum Strumpf, der in der modischen Farbe hautbeige gehalten ist. Er ist eng anliegend und soll helfen die Schwellung im linken Bein zurückzubilden (dies ginge übrigens auch am rechten Bein, aber dort besteht das Problem nicht. Nicht lachen, denn diese Strümpfe gibt es nur im Zweierpack). Sie trägt ihn den ganzen Tag und trotz der Kompression, kommt am Abend immer noch ein Bein zum Vorschein, allerdings mit geometrischer und auch blind spürbarer Gewebemusterung. Das beste ist aber das Anziehen des Strumpfes. Zuerst muss ein blauer Sack aus Segeltuch über den Fuss gestülpt werden. Diese Strumpfladehilfe ist teflonbeschichtet und mit einer handlichen Schlaufe an den Zehen ausgestattet. Nun kann man mit genügend Kraft den Strumpf über den Fuss wuchten und mit vereinten Kräften hochziehen, möglichst ohne die Narbe zu belasten. Was hier nun einfach tönt, tönt in der Praxis etwa soo: "au, ufpasse, nöd so fescht, da no meh." Für einen schwächlichen Mann eine grosse Herausforderung. Zu guter letzt wird noch die Strumpfladehilfe mit dem sinnigen Namen "Easy-Glide" entfernt, indem man an der Schlaufe zieht. Und schon ist das Bein komprimiert.
Morgen Montag darf Merita um 7.30 Uhr zur Therapiekoordination. Das Aufgebot dazu, war am Anschlagbrett aufgehängt. Was eigentlich nach sinnvoller Planung aussieht, wenn man das Wort Therapiekoordination hört, würde richtigerweise eher Last-Minute-Therapieplanabweichungs-Mitteilungsinformation heissen oder so ähnlich. Jeder Patient und jede Patientin, auch Merita, die übrigens auch liebevoll als Patientin 320970 oder Fall 20708917642 geführt wird, hat einen eigenen Stundenplan für die Therapien. Morgen ist es nun eben so, dass eine oder mehrere Therapeuten nicht da sind und deshalb der normale Stundenplan nicht eingehalten werden kann. So werden sich Merita und die 13 anderen Betroffenen um 7.30 Uhr treffen, um zu erfahren wann es wie und wo weitergeht.
Ansonsten kann man sagen, dass alles gut organisiert ist und einem geholfen wird, wenn man Hilfe benötigt. So wurde Merita letzte Woche beim Essen fassen sogar von einer Mitarbeiterin mit Mineralwasser gewaschen.
Merita konnte das ganze Wochenende zuhause verbringen, was sie sehr genossen hatte. Sie konnte auch sehen, welche Hindernisse zuhause warten, was es heisst mit weniger behindertengerechter Infrastruktur zurechtkommen zu müssen. Ich habe dabei die Rolle des REHAEX übernommen. Da ich vergessen hatte die Glocke am Bett zu montieren, mussten wir uns mit rufen und Handy verständigen. Merita ist zwar mit Stöcken mobil, allerdings erreicht die Geschwindigkeit noch keine Rekordwerte. Die Krücken sind erst auf "Schildkrötli" eingestellt. So überlegt man sich gut, ob man jetzt nach unten oder eben nach oben wandern will, wenn man mal auf der einen Ebene ist. Einmal rief Merita mich auf Handy an, ich solle doch bitte rasch nach oben kommen. Das Problem war nur, ich war gar nicht zuhause. Aber wir kriegens noch hin.
Eintrag zum So. 12.11.06
Gegenüber dem Freitag, war die Betreuung schon viel besser und die Therapeutin war diesmal keine Terapeutin. Lässt man nämlich das "h" weg, dann ändert die griechische Herkunft von "Dienst" zu "Ungeheuer" oder so ähnlich (es stimmt so dem Ansatz nach, aber ich bin kein Griechologe)! Auf jeden Fall macht es einen grossen Unterschied, ob man das Gefühl hat kompetent behandelt zu werden oder ob man einfach beschäftigt wird.
Merita bekommt vielleicht bald einmal einen Anschluss an das grosse weite Internet. Kleinstephan hat natürlich bei der Zimmerinspektion einen Netzwerkanschluss gesichtet und entsprechend Merita angewiesen fachkundige Fragen zu stellen. Die Kabel für die Modemverbindung habe ich erklärt und die Steckerbezeichnungen haben wir auswändig gelernt. Und was haben wir nun davon? Der Techniker verstand Merita nicht. Als Merita sagte, sie hätte ein Kabel mit RJ11-Stecker, begann er mit der Verschleierungstaktik. Früher war eben alles noch einfacher...
Morgen Dienstag 7.11. hat Merita Geburtstag, den sie mit einer Spritze beginnt, die sie sich sogar selbst geben darf. Mal schauen, ob die Klinik das merkt und zur Feier des Tages die Therapien verlängert. Möglicherweise hat Merita nicht sehr viel Zeit für Telefone, wer also an sie denken möchte, soll, wenns geht, eine SMS schreiben (079 210 15 63).
Eintrag zumMo. 06.11.06
Die Therapien wurden am Freitag nach persönlichem Stundenplan begonnen. Neben Kraftgeräten, Baden (wegen dem geschwollenen Knie im kälteren Bad! grrrr), Kinetec (Maschine für automatischen Beinbewegen), persönlicher Physiotherapie war da auch noch der Heuwickel. Merita wurde dazu in heisse Tücher eingewickelt (ähnlich wie diese heissen Waschlappen in gewissen Restaurants) und einer Masse aus Heublumen, die vor allem den Rücken gut tun sollen. Der Arzt wollte zwar Merita davon bewahren, weil die in seinen Augen so stinken, aber der Physiotherapeut sah keine andere Wahl. Durch die Beschreibung des Arztes vorgewarnt, fand Merita den Duft dann nicht so schlimm.
Dann gibt es natürlich auch zu Essen, dreimal am Tag, wie in anderen Kantonen auch üblich und nicht nur Rüeblichueche! Aber wie in vielen Grossküchen wird grossen Wert darauf gelegt, dass Fleischprodukte ganz gar und durch sind (gehört wahrscheinlich zu den Physiotherapien für die Kiefermuskulatur).
Jetzt am Wochenende ist nicht so viel los und Merita hätte von der Klinik her nach Hause gehen können. Doch zuhause wäre ihr Aktionsradius sehr eingeschränkt gewesen, so dass wir diese Übung auf das nächste Weekend planen.
Das Einzelzimmer auf Probe (es hatte nirgends ein Bett in einem zweibettzimmer frei), lässt sich sehen. Helles Holz, schwarzer Boden, grosses Fenster mit Balkon (sie ist nun etwas zu spät im Herbst nach Bellikon gekommen) und eine gut eingerichtete Nasszelle. Vieles können wir zuhause nicht bieten. Sitzen zum Duschen, Handgriffe beim WC, eine Heizung für die Tüechli und eine Türmechanik, die zum Spielen einlädt. Da gibt es noch eine Fernbedienung für alles. Merita kann sich das Menü für Storen hinauf- und herunterlassen in etwa 13 Sprachen anzeigen lassen. Als sie in der ersten Nacht zum Schlafen die Storen herunterliess und eben am Einschlafen war, da gingen die Storen wieder hoch! Auf dem Display stand der Grund: Frostgefahr! Immer diese Automatismen. Morgen wird sich das Licht nicht löschen lassen, wegen "Verdunkelungsgefahr" und übermorgen wird das Telefon nicht mehr funktionieren wegen "Fluchtgefahr"!
Merita war vom ersten Therapietag nicht sonderlich begeistert, wir hoffen jetzt aber, dass in der neuen Woche, dann doch einige Fortschritte erzielt werden könnten.
Eintrag zum Fr./Sa./So. 03./04./05.11.06
Merita ist nun tatsächlich in der REHA-Klinik Bellikon eingetroffen. Sie wurde mit einer Krankentransportambulanz dorthin gefahren. Wichtigste Änderung: Am neuen Ort wird die Spritze am Morgen verabreicht. Sie hatte gestern alle Besprechungen, was für Therapien zu welchen Zeiten usw. Die Fachleute waren kompetent aber auch etwas ratlos. Die Kombination von Meritas Verletzungen macht die Sache nicht ganz einfach. Da muss einerseits das Knie und die Beinmuskulatur bewegt, aber der Rücken geschont werden. Andrerseits werden die Übungen für die Rückenmuskulatur durch die gebrochenen Rippen und das Humpelbein behindert, und so weiter und so fort. Ausgerechnet das Schwimmen wird das beste sein. Dies liebt Merita nämlich nicht besonders. Aber es geht ihr gut! Durch einen ersten Rundgang und den dadurch entstandenen Begegnungen mit anderen Patienten* hat sie das Gefühl, eigentlich erstaunlich gesund zu sein. Sie hat unerwarteterweise ein Einzelzimmer mit Bergsicht erhalten und freute sich darüber, endlich wieder einmal alleine zu sein. Sollte sie sich einsam fühlen, gibt es immer noch den Knopf um Gesellschaft zu bestellen. Bellikon liegt sehr schön, ist ein kleines Bauerndorf, das ohne die Klinik fast um den Eintrag auf der Landkarte bangen müsste. Es liegt im Kanton Aargau, deshalb trägt man hier auch weisse Socken und es gibt dreimal täglich Rüeblichueche.
*Es wird hier nur die männliche Form verwendet, da die weibliche fast inexistent ist. Merita hat erst drei Patientinnen entdeckt.
Eintrag zum Do. 02.11.06
Die Rechte Seite mit Adresse, Links etc. wurde an den neuen Standort angepasst.
Der Schrei von M. wurde im Jahr 2004 in Oslo gestohlen und war heute in Zürich wieder hörbar und zwar über ein Dutzend mal. Merita wurden nämlich die Fäden gezogen, die sich aber bereits sehr gut an ihren Wohnort gewöhnt hatten. Deshalb waren die Schmerzen ziemlich sehr gross!
Dann wurde noch ein Röntgenbild des Rückens gemacht und weil der Termin sehr knapp war, durfte Merita nicht auf den eigenen Beinen in die Röntgenabteilung schlurfen, sondern wurde im Eil-Bett gefahren, so dass der Time-Slot des Fotoshootings noch rechtzeitig erreicht werden konnte. Röntgenassistentin: "Jetzt chönt sie det überlaufe und anestah." Merita: "Entschuldigung, aber mini Krücke sind im Zimmer und ohni chani nöd laufe." Sie erhielt zwei menschliche Krücken für den kurzen Weg und zum Stehen wurde ihr ein Infusionsständer ausgeliehen. Not macht improvisationsfähig.
Auch der Nerv L3 wurde heute vom Neurologen besucht. Mit seinem Hämmerchen klopfte, tastete und kitzelte er Bein und Fuss von Merita und frischte seine Kugelschreiberzeichnungen auf dem Bein auf. Sie solle ihr Bein bitte bis zur Nachkontrolle in ein paar Wochen nicht mehr waschen. "Ähm, haben sie das etwa ernst gemeint?" , war Meritas Frage. Ja, das hatte er. Irgendwie schien ihm dies dann selbst etwas eklig (schliesslich würde er ja dann die Nachkontrolle durchführen). Kurzerhand zückte er seinen kleinen Fotoapparat mit dem er auch Telefonieren kann und knipste Meritas Bein bzw. seine Strichzeichnung. Sein Befund ist übrigens Grund zur Freude. Alle Muskeln kann Merita kontrollieren, die Gefühlslosigkeit an einigen Stellen wird mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder verschwinden bzw. das Gefühl kommt zurück. Es dauert lediglich 6 bis 12 Monate! Pro Woche regenerieren sich die Nervenstränge um einen Millimeter.
Also um 8.00 Uhr wird nun ein Transport eintreffen. Übrigens ungewöhnlich früh, weil die Patientenaufnahme in Bellikon in aller Regel so um halb elf ist. Vielleicht liegt es am Transport (Ross und Wagen haben sicher länger).
Noch etwas ernstes (Bemerkung für die Versicherung und Leichtgläubige): In Bellikon wird es für Merita sehr streng werden. Das mit Wellness wurde von mir erstunken und erlogen. Programm von Morgen bis vor den Znacht. Genauere Berichte werden folgen...
Eintrag zum Mi. 01.11.06
09.04 Uhr: Die Versicherung hat das Bortnoméé, oder wie das neu heisst, gezückt und schickt Merita in den Wellness-Intensiv-Urlaub nach Bellikon. Es ist nur noch die Frage wann! Gut gemacht, alle Beteiligten.
10.30 Uhr: Verglichen mit den letzten Tagen könnte man davon sprechen, dass sich die Ereignisse überschlagen. Bellikon erwartet Merita am Donnerstagmorgen. Das Feriengepäck ist bereit inkl. Badezeug. Wir müssen jetzt nur noch aargauische Franken wechseln und die Tickets kaufen. Ob wir bei der gemachten Versicherungserfahrung noch eine Annulationsversicherung abschliessen sollten? (Tipps bitte per Mail -> Kontakt auf linker Seite)
20.00 Uhr: Der Transport ist organisiert und die Reise beginnt am Donnerstag um 8.00 Uhr, also nichts mit Ausschlafen. Morgen gibt es jetzt noch einiges an Programm. Da ist erstens das Auschecken im wörtlichen Sinn, bei dem die Ärzte ihre ganze Arbeit nocheinmal kontrollieren, bevor Merita ausfliegt. Dann müssen zweitens alle Röntgen- und CT-Bilder gesucht werden. Die sind seit mehr als einer Woche im USZ verschollen. Die Stationsärztin ist sich aber sicher, dass sie irgendwo im Haus liegen, denn mindestens dreissig grossformatige Bilder gehen nicht einfach so verloren. Vielleicht kann Merita beim drittens, der Physiotherapie, die Wanderung als Ostereiersuchen gestalten.
Eintrag zum Di 31.10.06
Man glaubt es kaum, da wartet man auf den langersehnten Bescheid der Versicherung und jetzt fehlt doch noch etwas. Sie würden jetzt gerne eine wöchentliche Arbeitszeitabrechnung von Merita haben, nicht eine monatliche. Durch Abwesenheiten von SachbearbeiterInnen, fehlende Rückrufe an unpassende Telefonnummern, interne Checklisten und die Launen der Natur verzögert sich dadurch die Abreise aus dem USZ auf unbestimmte Zeit. So hat die Transportcrew auch noch etwas Zeit zu üben. Die haben heute nämlich den Velounfall abgeholt und nach Bellikon gebracht. Der Transport wurde durch den Zivilschutz ausgeführt und die haben glatt den Rollstuhl vergessen, um die Patientin zu verschieben, aber das ist ja nur ein kleines Detail.
Merita hat heute zusammen mit der Physiotherapeutin einen Spitalausflug in Turnschuhen unternommen. Der Schuh war allerdings nicht wegen der Geschwindigkeit notwendig, sondern um das Abrollen richtig zu erlernen. Ansonsten erfreute sich Merita heute über die Besetzung des Pflegedreamteams. Alle ihre LieblingspflegerInnen im einen Team.
*Original Slogan der Versicherung , leicht angepasst an die Realität.
Eintrag zum Mo.30.10.06
Heute ist Sonntag, der Oberarzt hat Merita trotzdem ausserhalb der Visite einen Besuch abgestattet. Seine Aussage: "Mir mached jetzt langsam alli d'Schrube da, wäg dere Versicherigssach!" Schrauben hat Merita ja schon genügend erhalten, auch wenn wir volles Verständnis haben, dass sie wieder neue brauchen. Mich erstaunt, dass sie diese selbst machen. Morgen Montagmorgen wird die Versicherung in der Frühe aus dem Dornröschenschlaf gedonnert. Wir hoffen, dass dann alles gut kommt!
Im Spitalzimmer hat sich einiges geändert, es liegt da ein weiterer Leitersturz, ein Tramtürenunfall (komische Geschichte) und ein Velounfall (sie wird sich einen Velohelm kaufen!). Ich hatte heute auch eine Aufgabe. Die Frau Tramtürenunfall hatte es geschafft Telefon- und Kopfhörerkabel des Unterhaltungssystems in einer Art Klöppeltechnik ineinander zu verarbeiten. Meine erste gute Tat war dann das Entwirren dieses Kunstwerkes. Einige Minuten später und durch meine erstklassige Arbeit ermutigt, wurde ich wieder gerufen. Das Telefonieren wollte einfach nicht funktionieren, ich konnte dies durch Drücken der Taste "telefonieren" und dem Eingeben der Telefonnummer relativ einfach beheben.
Merita hat sich trotz des lange andauernden Trainings noch nicht an Spritzen und andere Picks gewöhnt. Jeden Abend bekommt sie eine Spritze mit dem Blutverdünner (Autsch!) und letzhin ging die Türe auf und der Pfleger erschien im Zimmer mit Tablett und einem gelben Kübeli. Dieses Kübeli ist für das Entsorgen von Spritzen und Kanülen und bedeuted, dass jemand im Zimmer gestochen wird. Er steuert Meritas Bett an, die an eine Verwechslung glaubt, doch der Pfleger meint: "Ja Frau Göldi, da müssen wir etwas Blut nehmen." Merita: "Warum? Das haben sie aber schon lange nicht mehr." Pf: "Ja, wahrscheinlich ist das der Grund." M: "Wer sagt das?" Pf: "Die Stationsärztin hat das angeordnet." M:"Sind sie sicher?" Pf :"Ja, soll ich sie nochmals fragen?" M: "Nein, ich glaub es schon, aber das tut weh..." Pf: "I wo, das tut nicht weh. Da hat anderes schon mehr geschmerzt." M: "Aber warten sie noch, mit Luft anhalten tuts weniger weh!" Pf: "Wenn sie meinen kann ich die Luft schon anhalten." M: "Nein, nicht sie, ich." Sie zieht den Arm weg. Pf: "Wenn sie so zappeln wirds schwierig und wir wollen hier doch kein Massaker veranstalten." M: "Also gut." Picks. Pf: "Na geht doch..." M: "Ja, hat gar nicht so weh getan." Der Unterhaltungswert dieses Teams war etwa bei 8 auf einer Skala bis 10.
Eintrag zum So. 29.10.06
Mal zuerst: Es geht vorwärts, auch Merita. Langsam aber sicher findet sie nun alleine zum WC und zurück, begleitet durch ihre zwei Zusatzbeine, die auch Werkzeug sind für allerlei (Auflesen von Dingen, Schieben von Stühlen, Schlagen von Pflegepersonal*, usw.) sind. Sie hat nach meiner Meinung und nicht nur meiner, die Krücken schon recht im Griff, was sie hingegen bestreitet. Sie ist auch bereits unter Aufsicht des höchsterfreuten Physiotherapeuten auf der Treppe gelaufen. Also Vorsicht liebe BesucherInnen, möglicherweise liegt sie nicht dort, wo der Portier gesagt hat. Was sie hoffentlich sowieso bald nicht mehr tut. Gemäss Spitalakten, hätte sie am Freitag in die REHA entlassen werden können. Doch eben die Versicherung findet das mit der Kostengutsprache noch eine schwierige Sache (es gibt auch sehr viele verschiedene Formulare und bis man da das richtige gefunden hat. Die Versicherung mach ja auch noch andere Dinge). Am Freitag hat es dem Herrn Doktor Oberarzt den obersten Knopf seines Kittels gesprengt, als er wegen der ganzen Versicherungsgeschichte zum Schnauben einatmete. Kurzerhand telefonierte er selbst der Versicherung. Aber wie das so ist, die zuständige Dame ist erst am Montag wieder im Büro und der stellvertretende Herr getraute sich dann nicht zu entscheiden, tat aber alles in seiner Macht stehende und setzte die Priorität dieses Falles auf die höchste Stufe. Ich werde im gelegentlich eine Dankesschreiben zusenden. Wr hoffen, dass die Versicherung am Montag Richtung Unispital blickt und die ihnen drohende Gewitterwolke sieht und den positiven Entscheid persönlich und in Gold gerahmt vorbeibringt. Die etwa 12 Kurznotizen in den Patientenakten betreffend Versicherung belegen bereits zwei Seiten im nicht kleinen Dossier. Im Spital sind etwa vier Stellen involviert.
Also ein Umzug steht bald bevor, so hoffen wir, und die Luftveränderung und das etwas andere Programm wird gut tun, auch wenn die Schmerzen vom Training auch nicht ohne sein werden.
*stimmt natürlich nicht.
Eintrag zum Fr./Sa. 27./28.10.06
Die nerven, die von der Versicherung, weil sie erst am Montag entscheiden werden und erst nach dem Entscheid, der Umzug geplant werden kann. Der Chefarzt möchte sie demnächst loswerden (wahrscheinlich haben noch andere ein Bettenplatz mit Parksicht bestellt).
Die Nerven sind auch das Spezialgebiet des Neurologen und der hat heute neue Untersuchungen gemacht und Zeichnungen auf das Bein gemalt. Nach de Sturz war ja der Nerv L4 etwas irritiert, der hat sich aber jetzt erholt. Seit der zweiten Operation ist ja immer wieder dieses "eingeschlafene" Gefühl im Bein und dieses kommt vom L3. Offensichtlich ist entweder bei der Operation oder durch die Operation (möglicherweise ein Blutgerinnsel) dieser Nerv verletzt oder zumindest beleidigt worden. Eine Therapie gibt es nicht, aber möglicherweise wird er sich erholen.
Die Nerven des Pflegepersonal sind nicht alle gleich oder möglicherweise die Arbeitseinstellung bzw. -vermögen. Wir sind weiterhin zufrieden mit allen Dienstleistungen, aber es sit schon erstaunlich, wie einzelne des Pflegepersonals viel mehr Zeit zu scheinen haben, mehr erledigen und doch immer da sind. An der Schicht oder an den Patienten kann es fast nicht liegen, weil das ja alles in den letzten zweieinhalb Wochen immer wieder gewechselt und rotiert wurde. Von wegen immer da - die Stationsärztin ist wirklich immer da. Seit zwei Wochen, taucht sie jeden Tag meist mehrmals auf und dies zu verschiedensten Tages- und Abendzeiten. Erstaunlich!
Die Nerven des Ehemannes von der Frau die heute nach Hause gehen konnten, lagen ebenfalls langsam blank. Kleidernotstand und Quicksoupdrepressionen setzten ihm wahrscheinlich zu. Die gute Frau hatte allerdings bereits am Nachmittag nach Merita Heimweh und ihr angerufen, wie es so gehe. Sie war wirklich eine herzensgute Frau, die in all ihren Schmerzen, sich immer so um Meritas Schmerzen sorgte.
Die Nerven von Herrn Eulenburg sind wahrscheinlich ja nicht mehr so empfindlich*, aber Merita muss seit heute ihren Eulenburg mit jemand anderem in der Chirurgie teilen. Dafür hat sie heute dann blaue Stöcke erhalten (ihre Lieblingsfarbe). Morgen wird sie erste Gehversuche an den Stöcken machen.
*dieser Einstieg hinkt zugegebenermassen ein bisschen.
Eintrag zum Do. 26.10.06
Meritas Schmerzen verändern sich, um die Verbesserung mal vorsichtig auszudrücken. Schon mehrmals hat sie mit dem Blasiusspielzeug die von der Physio erwünschten Werte nicht erreicht, weiles einfach zu fest weh tat. Gestern war der Schmerz dannbeim Atmen vor allem im Brustbein spürbar. Sie fragte den Pfleger, ob das dann wirklich von den gebrochenen Rippen stamme. Er konnte sich dies nicht vorstellen, nahm sich dann aber die Zeit, einmal Meritas Akte zu studieren (durchaus ein umfangreiches Unterfangen). Jetzt wurde doch Merita tatsächlich eine Fraktur unterschlagen. Sie hat nämlich eine Sternumfraktur*, die zwar nicht nach einer Behandlung schreit, aber eben bis jetzt nicht besprochen wurde. Irgendwie ist die mal zwischen Berichte und Bilder gefallen. Es wird nun mit Voltaren behandelt und die Physio wird die Werte für das Atemspielzeug nun nicht mehr knallhart einfordern.
Heute kam noch eine weitere Dienstleitung am Spitalbett vorbei, der fliegende Kiosk, so eine Art Elvetino-Railbar mit vorwiegend ungesunder Ergänzungsnahrung zur ausgeklügelten und ausgewogen Spitalküchenkost. Merita konnte der Versuchung locker widerstehen, weil ihr Portemonnaie noch zuhause wohnt :-)
Die Ärzte sind mit dem Genesungsprozess sehr zufrieden und Merita wird immer ein bisschen selbstständiger, was einen baldigen Umzug nach Bellikon fördert. Der Termin ist aber noch nicht klar, weil die Unfallversicherung noch einige Abklärungen tätigen will...
*Sternum(-fraktur). Ich gebe es zu, ich weiss auch erst seit heute, welcher Körperteil so heisst. Es ist ganz einfach das Brustbein.
Eintrag zum Mi. 25.10.06
Heute ging es vorwärts - zusammen mit Eulenburg machte Merita ihre ersten Schritte. Sie konnte auch selbstständig duschen und durfte dann sauber und gutduftend in den äusserst modischen Schlafanzug zurückkehren. Das Bein wurde dann alleine für sich noch zwei Stunden bewegt. Ab morgen ist sie die dann diejenige, die am längsten schon im Zimmer E07 wohnt, sozusagen die Chefin in der Hackordnung. Auf der einen Seite ist da die Freude, dass es kleine positive Schritte gibt und auf der anderen ist es auch immer wieder schwierig zu merken, was vor zwei Wochen noch ganz gut ging, ohne sich darüber Gedanken zu machen.
Habt ihr euch schon einmal überlegt, wie man ein solches Spital evakuieren würde? Es gibt keine Fallschirme für Spitalbetten. Man würde Patienten wie Merita mit Spanngurten auf die Matratze binden und dann die Treppe herunter lassen. Jeweils in der Kurve würde Pflegepersonal stehen, das die Weiterleitung übernimmt. Das ist übrigens wahr! Solche und andere Fragen kommen einem in den Sinn, wenn man da liegt oder immer wieder ein- und ausgeht.
Eintrag zum Di 24.10.06
Die Schmerzen gehören die nächste Zeit einfach dazu und trotzdem kann man sich schlecht daran gewöhnen. Jetzt werden die Dienstleistungen kontinuierlich zurückgeschraubt und mit einem "liebevollen" Lächeln auf den Stockzähnen wird mitgeteilt, dass Merita dies und jenes jetzt selber machen kann. Das schlimme daran, es ist alles ein abgekartetes Spiel. Nicht nur der Physiotherapeut, sondern auch die Schwester X und Y, alle wissen Bescheid. So musste sie heute im Rollstuhl aufs richtige WC, was gut 15min. gedauert hat (ich habe gewartet) und sie wäre dabei schier gestorben (Aussage Merita). Die ältere Frau diagonal meinte, dass es jetzt vorbei sei mit der Schonung. Wenn sie zeige, was sie könne, dann müsse sie dies erledigen. Vielleicht dürfte sie wieder auf den WC-Stuhl neben dem Bett, wenn sie aus "Versehen" einmal ins Bett machen würde. Da beginnen sich auf beiden Seiten die Verschwörungen zu entwickeln, wie es von aussen den Eindruck macht. Der Chefarzt meinte, dass sie wahrscheinlich anfangs nächster Woche nach Bellikon verlegt würde. Er ordnete auch noch ein Kontrollröntgenbild (im Hintergrund der Himmel von Zürich) vom Knie an und liess die Schläuche entfernen. Merita ist also ab sofort nicht mehr angebunden. Schmerzmittel gibt es nur noch als weisse staubige Tabletten, die meist irgendwo unterwegs in den Magen kleben bleiben. Am Abend gibt eine Spritze in den Bauch.
Die Spielsachen der Physio sind anzahlmässig weiter gewachsen und benötigen viel Platz im und vor dem Zimmer: Da ist mal die Stehhilfe Eulenburg (ein Ungetüm in lila), ein alter Rollstuhl und der "neue" mit Rammbockbeinschiene, eine Belastungswaage (dieses Modell habe ich in einem alten Schweizerfilm auch schon gesehen) um die Belastung von 15kg auf dem operierten Bein ins Gefühl zu kriegen, eine Beinschiene für zwischendurch, dann die elektrische Bewegungsmaschine für das Bein und zu guter vorläufig letzt, das Blastherapiespiel, mit der die Luftmenge und das regelmässige Atmen getestet und trainiert werden kann.
Der Transportdienst hat heute Merita ins Röntgen transportiert. Da gibt es Leute im USZ, die nur Leute in ihren Betten transportieren. Die erhalten auf ihren Pager jeweils den nächsten Auftrag. So wurde merita abgeholt ins Röntgen gefahren, nach dem Röntgen im Gang deponiert, bis der Patientenexpress erscheint und Merita wieder zurück fährt. Ich habe mir überlegt, welche Fahrprüfung wohl erforderlich ist, ob da auch Schleuderkurse und Fahrstunden nötig sind... So entdecke ich immer wieder neues in diesem Riesenunternehmen.
Eintrag zum Mo.23.10.06
Das ist ja der Gipfel, ausgerechnet am Ruhetag der Woche, beginnt Meritas Darm im Akkord mit Arbeiten. Sie erhält für jeden Stuhlgang ein Strichli in der Akte (in der Primarschule waren es Smiley-Chläberli im Heft) und ein freudiges Loben der Schwester (diese kriegen von mir demnächst eine Tapferkeitsmedaille!). Ich kaufe morgen eine Schachtel Duftbäumli zum aufhängen...
Merita ging es heute bedeutend besser, auch wenn da die Schmerzen zeitweilig wieder irgendwo zwicken und vor allem beim Umlagern fast unerträglich sind. Sie hatte sich heute aber erfolgreich gegen die Physiotherapeutin gewehrt und musste nicht aufstehen. Wenn das nur keine Rache gibt am Montag. Das Rätsel mit dem eingeschlafenen Bein, also einfach an gewissen Stellen fühlt es sich wie eingeschlafen an, ist noch nicht gelöst. Sie meinen, es komme vom vielen Liegen und nicht vom Rücken, genaueres wird aber der Neurologe feststellen.
Die alte Frau wird morgen das Spital verlassen, was den Unterhaltungswert der Zimmergemeinschaft etwas mindert. Heute hat sie netterweise nicht mir "Schwester" gerufen, aber die Ärztin hat auch lange gebraucht, bis sie sich betroffen gefühlt hat.
Heute habe ich noch einen neuen Teil des Spitals kennengelernt. Vom Nordtrakt gibt es unterirdische Möglichkeiten in den Osttrakt zu kommen. Wirklich imposant und auch etwas für den Nervenkitzel, was da alles an den Türen angeschrieben steht. Eigentlich wollte ich aber nur sagen, dass ich etwas stolz bin, ohne Karte wieder ans Tageslicht gefunden zu haben (ich war auch nicht allein).
Die Frage, wie lange Merita jetzt noch im USZ sein wird, ist noch nicht zu beantworten. Das Erlebniszentrum in Bellikon (SUVA-Klinik) ist relativ gut ausgebucht. Obwohl Merita schon in der ersten Woche angemeldet wurde, kann es sein, dass es noch ein oder zwei Tage länger dauert, als dringend nötig. Es wird aber bereits im USZ mit der Mobilisation begonnen. Anders gesagt, sie wird im Laufe ihrer REHA den Standort wechseln. Dies könnte im Laufe dieser Woche bereits der Fall sein.
Eintrag zum So. 22.10.06
Ich hoffe, dass das Ausbleiben des Eintrages bzw. das späte Erscheinen, bei niemandem schon komische Gefühle ausgelöst hat. Es könnte sowieso geschehen, dass es jetzt nicht mehr einen Eintrag pro Tag, sondern grössere Abstände gibt. Die alte Frau ist einfach nicht so aktiv zur Zeit und bei merita geht es hoffentlich auch weniger turbulent zu und her. Dafür dürfte mein Alltag wieder vermehrt mit Terminen gefüllt sein. Kurzer Rede langer Sinn, oder so ähnlich, es muss nicht ein schlechtes Zeichen sein, wenn hier etwas fehlt. Ich werde aber versuchen weiterhin zeitnah zu berichten.
Und jetzt zum Samstag. Es war ein typischer Tag danach. Schmerzen, wenn die Schmerzmittel nachliessen, die sie alle vier Stunden über die Infusion erhält und viel viel Müdigkeit. Sie mochte nicht einmal Telefonieren. Wir hoffen jetzt aber wirklich, dass es jetzt aufwärts geht (also gesundheitlich nicht stockwerkmässig, da wäre nämlich bald das Dach). Sie lässt euch alle grüssen und hat heute gemeint:"Ich beneide alle die Leute, die da so herumlaufen und gesund sind." Ansonsten gibt es nicht viel neues, ausser der neuen Krankenschwester mit der knallroten Brille, die sich vom weiss ihrer Arbeitsmode stark abhebt.
Eintrag zum Sa.21.10.06
Update von 23.27 Uhr: Merita ist zurück im Zimmer. Es hat zwar noch kein arzt gesagt, dass alles gut verlaufen sei, aber die Tatsache, dass sie bereits drei Stunden nach der Operation wieder im Zimmer ist, lässt darauf schliessen. Die eine Frau (über 70 Jahre alt, aber nicht diejenige, die auch schon vorgekommen ist) im Zimmer ist extra wach geblieben und ist soo froh, dass sie wieder zurück und alles gut gegangen ist. Als Merita mit mir telefonierte hörte ich im Hintergrund immer wieder jemanden sprechen. Nach etwa zehn Minuten haben wir gemerkt, dass diese Frau auch mit Merita spricht. Meritas Antworten haben zwar nicht immer auf die Fragen gepasst, weil sie ja mit mir am Telefon gesprochen hat, aber schliesslich ist man nach einer Operation ja auch ein wenig verwirrt.
Update von 20:44 Uhr: Die Operation wurde um 20.30 Uhr beendet und es scheint alles gut gegangen zu sein. Sie ist zur Zeit im Aufwachsaal und kommt um 23.00 Uhr in ihr Zimmer zurück. Nimmt mich ja schon wunder, ob diese Operationen so lange dauern oder ob die da noch Zeitmaschinen haben.
Um 16.00 Uhr hat Merita die Schlaftablette erhalten, was soviel heisst wie, die Operation wird stattfinden. Auf dem OP-Plan stand sie an vierter Stelle, also im laufe des nachmittags. Die siebte Stelle ist die, die in der Regel nicht am gleichen Tag dran kommt. Da sie erneut im OP des Notfalls operiert wird, kann da eben immer noch etwas dazwischen kommen.
Es wird nun mit Knochen aus der Hüfte, der Unterschenkelknochen repariert. Das leidige daran ist, dass die Wunde an der Hüfte die schmerzvollste sein wird. Merita hat das Gefühl, das was sie bisher erlebt habe, habe auch schon genug geschmerzt. Wir werden sehen. Sie freut sich sehr über all die Grüsse die sie per Post oder auch von mir erhält. Ich möchte mich hier so pauschal für alles bedanken!
Eintrag zum Fr.20.10.06
Nachtrag von 23.00 Uhr weiter unten
Heute war für Merita ein mässig guter Tag. Einerseits natürlich, die üblichen Probleme nach der Operation, die einem einfach das Gefühl geben, nur halblebendig zu sein und andrerseits hat sie ausgerechnet heute noch eine Krankenschwester, bzw. FAGE oder HÖFA 1 betreut, die nicht so genau versteht, was man eigentlich meint. Sie macht ihre Arbeit unbestritten gut, aber sie merkt nicht so gut, was einem fehlt oder ist auch nicht besonders sensibel. Ja, das wäre heute wahrscheinlich noch gut gewesen, jemand als Pflegepersonal zu haben, der Zeit hat und aufrichtig Nähe zeigt. Merita haben sie kein Pii-sii-eii mehr gegeben, mit dem sie selbst Schmerzmittel geben kann. Sie erhält relativ "leichte" Schmerzmittel über die Infusion, ist aber gemäss Auskunft relativ schmerzfrei für die Operationen, die sie gehabt hat.
Die Verdauung, die ich bereits einmal erwähnte, hat sich noch nicht so richtig erholt, so musste Merita heute für einen Stuhlgangversuch eine Stunde auf dem Stuhlgangstuhl sitzen. Ich hätte da noch einige Ideen und bin mir sicher, dass das Modell Stephan in naher Zukunft das bestehende Modell ablösen wird. Meines hätte dann einen Aktivkohlenfilter gegen die (Treibhaus-)Gase und auch eine bessere Akkustik, aber lassen wir das.
Eine Verunsicherung hat sich nun heute ergeben im Laufe des späteren Nachmittages. Sie hat das Gefühl, gewisse Orte am Bein seien wie eingeschlafen. das Pflegepersonal sagt, dass dies nicht unbekannt sei, da sie ja zwei Tage gelegen habe. Gegen den Abend hat sie dann aber das Gefühl gehabt, es sei mehr "eingeschlafen". Der Arzt hat nun ein CT angeordnet, Resultate stehen noch aus. Wir hoffen, dass sich dies erholt.
Heute hat ein Assistenzarzt während einer halben Stunde die CT- und Röntgenbilder sortiert. Bereits am Nachmittag hat die Stationsärztin einen zweiten Anlauf genommen Es sind mindestens dreissig Bilder und jetzt kommen noch weitere dazu.
Ebenfalls heute war Chefarztvisite angesagt. Am Dienstag war Oberarztvisite, die normalerweise immer an den ungeraden Tagen stattfindet. Die Chefarztvisite muss allerdings ein spezielles Ereignis sein. Die Aufregung im Voraus erinnerte mich (sorry, liebe Frauen) an Inspektionen von Divisionären oder so im Militär. Mir wurde, kaum war ich da, schon mitgeteilt, dass ich dann den Raum verlassen müsse. Als dann der Zeitpunkt eintraf und die Türe aufging, da staunte ich nicht schlecht! Ich konnte den Raum gar nicht verlassen, kam mir vor wie zu Stosszeiten in der S5, ich will raus und alle wollen rein. es waren nicht weniger als 15 weisse Kittel, gefüllt mit mehr oder weniger wichtigen Ärzten und Pflegepersonal die den Raum fluteten. Wenigstens weiss ich jetzt, warum ich die Zimmer so gross sind.
Noch ein Verwaltungserlebnis aus dem USZ. Der Unfallschein hat sich etwas verzögert gehabt und das USZ, wie auch das Spital Uster hatten Angst, nicht genügend Geld für ihre Dienstleistungen zu erhalten. So haben sie täglich bei Merita nachgefragt. Als ich heute für eine Beruhigung der Rechnungsabteilung mit der Kopie des Unfallscheins vorbeigehen wollte, war dies nicht so einfach. Der portier auf meine Frage, wo ich die entsprechende Frau finde: "Alles den Gang bis zum ende und dann dort bei der gelben Säule nach der Frau fragen." als ich am Schalter nach der Frau fragte, war diese unbekannt, aber hilfsbereit sandte sie mich zurück, fast bis zum Portier, genauer zum Büro A22. Dort angekommen und mittels Glocke auf mich aufmerksam gemacht, öffnete mir eine Frau die Türe, die aber nicht die gesuchte war. Ich könne aber den Gang bis zum Ende gehen und dann bei der gelben Säule sei... "Da war ich schon," gab ich zur Antwort. Tatsächlich es hatten alle recht, nur die eine Frau am Schalter nicht. Kein wunder sind die Böden in den Gängen ausgelatscht.
Die nächste Operation für das Bein findet entweder morgen oder am Dienstag statt. Der Chirurg wäre für Dienstag, der Chefarzt für morgen. Ob das mit dem eingeschlafenen Bein nun eine Änderung zur Folge hat, ist noch nicht klar. Gefühlsmässig ist das Bein eine kleine Sache im Vergleich. Es ist ein Splitter abgebrochen, der nun Angeschraubt wird. Es ist aber eine Vollnarkose nötig, weil eine Teilnarkose (Spinalanästhesie) wegen der Rückenverletzung nicht möglich ist.
Nachtrag
Das zusätzliche ct war ok, es sind keine Verletzungen sichtbar. Mit anderen Worten, der Nerv sollte sich wieder erholen. Die operation wird morgen Freitag stattfinden und ist an 4. Stelle (ca. Anfang Nachmittag). Sie werden vom Hüftknochen ein Teil entfernen, dass sie beim Knie einsetzen.
Eintrag zum Do.19.10.06
Die zweite Operation ist erfolgreich abgeschlossen worden. Heute um 10.30 Uhr wurde Merita abgeholt und in den OP des Notfalls gebracht (Rückenoperationen werden dort gemacht). Um 16.00 Uhr kam sie aus dem OP in den Aufwachsaal. Dazwischen fand die Operation statt, die gemäss Operateur gut verlaufen ist. Er hat ihr das Röngtenbild gezeigt. Merita wird nun direkt vom Aufwachsaal auf die Station verlegt und nicht wie sonst üblich im USZ bei Rückenoperationen via Intensivstation. Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und so weiter ist alles im grünen Bereich.
Heute wurde mir einmal mehr klar, dass ich in einem grossen Spital umherirre, mit vielen verschiedenen Mitarbeitern, vielen Vorschriften und Regeln und eine manchmal davon abweichende Alltagsorganisation. Um 15.00 Uhr war ich im USZ, also etwa eine Stunde nach der berechneten Aufwachzeit. Mein erster Kontrollblick ins normale Zimmer, zeigte eine Lücke, dort wo ihr Bett gestern noch stand. Vor dem Zimmer im Gang wimmelte es von guten weissen Geistern, die mir aber alle unbekannt waren. Die Erste verstand mich nicht, die Zweite war nicht zuständig, zeigte aber auf eine Türe, hinter der aber niemand war. Ein neuer Anlauf führte mich zu einer Frau, die mir versprach, den Aufenthaltsort meiner Frau abzuklären. Nach einer kurzen Zeit, erschien sie wieder und teilte mir mit, sie sei nicht auf der Intensivstation, also müsse sie noch im OP sein. Vor 17.00 Uhr sei wahrscheinlich nichts zu machen. Ob ich in Zürich wohne? Auf meine Verneinung, zeigte die Frau mit ihren Armen in alle Himmelsrichtungen und zählte verschiedene Ausflugziele, Cafes und anderes auf, damit ich die Zeit auf gute Art überbrücken konnte. Um 17.00 Uhr kam ich prompt zurück und prüfte den Portier mit der Frage, ob er genau sagen könne, wo meine Frau jetzt gerade sei, nach der Operation auf der IPS, im OP, der Station oder an einem anderen kreativen Ort in diesem Haus. Sein Computer könne ihm das sagen und schon hatte ich einen Zettel mit der bereits bekannten Zimmernummer (und Telefonnummer, falls ich mich verlaufen würde) in der Hand. Die Wegbeschreibung habe ich nicht mehr zu Ende gehört. Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass sie zurück ist und sie war es auch nicht. Die Lernende FAGE klärte für mich ab, wo sie nun denn auch sei und zur gleichen Zeit läutete meine kleine mobile Telefonzelle und der freundliche Herr aus dem Aufwachraum stellte mich zu Merita durch. Wir unterhielten uns kurz und sie meinte ich könne sie dort halt nicht besuchen, worauf der freundliche Herr meinte, oh doch, ausnahmsweise ginge das schon. Kaum hatte ich aufgelegt, stand die FAGE vor mir und erklärte mir, das Merita im Aufwachraum sei und ich sie dort leider nicht besuchen könne. Nach kurzer Überzeugungsarbeit wollte ich eine Wegbeschreibung. Nach zwei Sätzen musste sich meine Stirne in Runzeln geworfen haben, auf jeden Fall meinte sie: "Ich chume rasch mit." Als sie sich auf der Station abmeldete, kam noch die Bemerkung, dass man dort keine Besuche machen könne. Nach einigen Gangverrenkungen, langen geraden Stücken, einer Liftfahrt, einigen Türen mit der Aufschrift "Nur für Personal" waren wir da (immer noch in Zürich). Die Geräte kannte ich bereits (sie mich nicht) und Merita war sehr müde, mit grünem Häubchen und sie lag unter grünem Bettlaken. Sie wollte eines in blau, aber sie hätten keine mehr gehabt. Lange bin ich nicht geblieben, aber Merita ist dann auch schnell eingeschlafen.
Eintrag zum Mi.18.10.06
Heute konnte Merita das erstemal mit einer Gehhilfe namens Eulenburg für zwei Minuten stehen. Anschliessend gingen wir zusammen mit Rammbockrollstuhl (Meritas linkes Bein in Schiene gestreckt voran) und einem Christbaum voller Geräte und Infusionen (dieser Baum ist nicht Offroad tauglich!) in den Park, mussten dann aber wegen der Schmerzen schon bald wieder zurück ins Zimmer. Merita erschrak etwas über den Zustand des Spitalgebäudes. Während unserem bewilligten Ausflug kam noch die Ärztin für das EKG, die gemäss Augenzeugenberichten, über Meritas Abwesenheit alles andere als erfreut war und auch beim nächsten Besuch noch einen Hauch von Unzufriedenheit mitbrachte.
Die alte Frau im Zimmer hat heute die Schwester gefragt, ob sie eigentlich solange hier beliben müsse, weil sie alle diese Verbände aufwickeln muss (sie wickelt die elastischen Binden der ganzen Abteilung auf). Sie wolllte heute auch mal beim Abwasch helfen, es könne ja nicht sein, dass sie hier so bedient werde. Sie wollte, dass ich sie auf den Hafen setzte, was ich aber mit Insbrunst und viel Überzeugunskraft versuchte zu verhindern. Ja ja, die Jungen von heute, trauen sich auch gar nichts mehr zu. Aber auch wenn ich weiss, wo die Töpfe sind, es ist gar nicht so einfach. Am Sonntag hatte nämlich die eine Schwester fast vergessen den Topf mit Vaseline einzureiben, worauf die zweite bemerkte: "Isch wichtig, susch bringed mir sie nüme wäg, nachher!"
Die nächste Rückenoperation findet definitiv morgen Mittwoch statt, wenn nichts mehr dazwischenkommt. Auf jeden Fall war die OP-Planung für morgen um 16.00 Uhr fertig und Merita steht nun an zweiter Stelle, also zwischen 10 und 11 Uhr. Die OP am Bein folgt dann nächste Woche oder evtl. noch am Freitag, was aber eher unwahrscheinlich ist (oder je nach dem, wen man fragt). Die Stationsärztin meinte, "nach der Beinoperation sind sie dann komplett verschraubt." Der Anästhesist kam ebenfalls noch vorbei, um einiges zur Operation zu sagen, aber nichts neues an und für sich. Kurze Zeit später kam noch der Operateur und erklärte die bevorstehende Operation auf gute und einfühlsame Weise. Er hatte das Implantat bei sich, dass morgen über die linke Seite eingesetzt wird und den Wirbelkörper ersetzen wird. Anhand von Röntgenaufnahmen konnte er das schon mal auf Papier trockenüben. Die Operation am 3. Lendenwirbel ist günstig, weil man alles unterhalb der Bauchdecke machen kann, also das Zwerchfell und die Lunge nicht tangieren muss. Das Implantat ist aus Titan und kann wie ein Wagenheber gespreizt werden. Auf dem Röntgenbild sieht man die bereits eingebaute Fixation von hinten. So sieht sie im Verkaufspropekt aus: Fixation von Synthes.
Das wäre so das wichtigste in Kürze. Gemäss Arzt, sollten die Schmerzen bei dieser Operation eher kleiner sein, was wirklich schön wäre. Auf der anderen Seite hat der Anästhesist gesagt, dass Merita mit relativ wenig Schmerzmittel ausgekommen ist bzw. noch einiges an Revervemöglichkeiten da wäre, um schmerzfrei zu sein.
Eintrag zum Di. 17.10.06
Ein weiterer Spitaltag geht zu ende und er war ziemlich "normal". Als Erfolg kann man bezeichnen, dass Merita zwei Stunden im Rollstuhl sass und dort in aufrechter Postition das Mittagessen einnehmen konnte und anschliessend die tiefschürfende Lektüre "20min" las und mit dem Kreuzworträtsel das Hirn etwas bewegte. Das ein- und ausbetten ist allerdings eine Generalstabmässige Übung und mit Schmerzen verbunden.
Neben Arztvisite, Physiotherapeutin, Schmerzdienst (die Person hat einen entsprechend gekennzeichneten Rucksack und ist für das Schmerzempfinden der Patienten verantwortlich) ist heute noch die Bibliothekarin vorbeigekommen. Was es nicht alles gibt!
Merita hat am Morgen die Alarmorganisation des Unispitals überprüft, in dem sie auf ihren Knopf drückte, obwohl bereits eine Schwester im Zimmer war, was sie nicht bemerkt hatte (ist ja auch ein grosses Zimmer). Das Drücken des Knopfes bedeutet soviel wie, die anwesende Schwester braucht unbedingt weitere Hilfe. So haben sie mit Merita ein bisschen geschimpft. Am Nachmittag konnte ich das Schauspiel noch live miterleben, als die gute alte Frau vis-a-vis das erste Mal selbstständig den Knopf drücken konnte, obwohl bereits zwei Pfleger bei der Frau waren, die soeben von der OP zurückkam. Man hätte direkt ein kleines Personalfest machen können.
Es gibt erste Anzeichen, dass möglicherweise die Operation verschoben wird. Wir wissen nicht ob es stimmt und allfällige Gründe sind uns auch nicht bekannt. Mal sehen.
Eintrag zum Mo.16.10.06
Am Wochenende sind die Arztvisiten und andere Aktivitäten im Spital auf Sparflamme. Es wurden beide Schläuche der Wunddrainage bereits entfernt und der Oberarzt hat den weiteren Fahrplan verkündet. Am Mittwoch folgt die zweite Rückenoperation und Anfang nächster Woche folgt dann noch das bisher "vernachlässigte" Bein. Heute hatte Merita einen guten Tag, mit bedeutend weniger Schmerzmitteln. Praktisch kein Morphin, sondern bedeutend schwächere Mittel (Antiwehgal und Auawegfin oder so ähnlich). Die Verdauung hat sich noch nicht so an den Spitalalltag gewöhnt und wird morgen einmal gründlicher untersucht (wir lassen hier die Details weg). Die Müdigkeit liegt immer noch deutlich über dem natürlichen Pegel, stellt aber im Bett kein grosses Problem dar.
Von der alten Frau wurde ich heute als Pfleger angesehen, als sie mir mit grossen Augen verkündet:"Hallo, ich muss aufs Töpfchen". Immerhin habe ich für sie den "ichmussdringendaufstöpfchen-Knopf" gedrückt und diese Angelegenheit in professionelle Hände übergeben.
Als ich heute vom Balkon des Spitals die Aussicht und die Sonne genossen habe, meinen Blick über die Fassade, Decke und Fenster gleiten liess, kam mir die Idee meine nächste Krankenkassenprämie zweckgebunden einzubezahlen...
Eintrag zum So. 15.10.06
Der Tag 2 nach der Operation ist gut verlaufen. Die übliche Müdigkeit durch die Medikamente, dafür nicht allzuviele Schmerzen. Die einen Schmerzmittel (Morphin) wirken auch lähmend auf die Verdauung, was zu Verstopfung führt und wiederum Medikamente für das Abführen verlangt. Dies ist aber relativ normal und bekannt bei den Weisskitteln und nicht besorgniserregend. Merita geht es bedeutend besser, was auch die Mobilität betrifft, wenn man dieses Wort bereits verwenden will. Sie kann im und mit dem Bett aufsitzen, was für das Essen, das Bewundern der Aussicht usw. Vorteile hat. Sie hat auch bereits dosiert Besuche erhalten, wird aber schnell müde. Es ist ihr bis jetzt auch gar nicht langweilig geworden, obwohl sie ja in dem ursprünglich für sieben Betten gebauten Zimmer "nur" zu viert sind. Die alte verwirrte Frau und die andern zwei Patientinnen auch, bieten zeitweise ein interessantes Programm, allerdings ohne die Möglichkeit, das Programm zu wechseln. Die alte Frau muss ständig arbeiten, wie sie ihrem Besuch erzählt. Z.B. muss sie die Anzahl Klenex-Tücher zählen, die man aus dem Karton ziehen kann, oder sie wickelt elastische Binden auf. Dem Pfleger sagt sie "Pappe" und wenn das Essen kommt staunt sie, wer dann jetzt wieder gekocht hat.
Wann Meritas nächste Operationen stattfinden wird und in welcher Reihenfolge ist weiterhin unklar. Klar ist nur, dass die Ärzte mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden sind, was uns natürlich zuversichtlich stimmt. Sie fühlt sich auch sehr gut aufgehoben und betreut.
Merita freut sich auch sehr über die Grüsse, die ich ihr immer wieder überbringen darf. Auch für mich ist es wertvoll und entlastend, uns getragen zu wissen. Vielen Dank für alle Gedanken und Gebete!
Gestern erhielt sie bereits einige Ferienprospekte für die Reha, die allenfalls nötig sein wird. Anmelden muss man sich frühzeitig, damit man sicher einen Platz erhält.
Eintrag zum Sa. 14.10.06
Sie liegt also jetzt auf der Abteilung mit drei anderen in einem Zimmer. Beim Einziehen wurde ihr gesagt, sie müsste nun still sein (sie war ja laut bis anhin). Da aber eine alte verwirrte Frau und eine Frau mit grosser Angst vor der bevorstehenden Operation im zimmer waren, konnte Merita nicht wirklich gut schlafen. Am Morgen wurde sie erneut untersucht und am nachmittag muss sie nun aufsitzen. Somit ist auch dieser Tag ausgefüllt. Voraussichtlich wird mitte nächster Woche das zweite Mal der Rücken operiert. Der Unterschenkel wird dann später operiert, weil eine Operation mit beiden Thematiken über 7h dauern würde. Es geht ihr soweit gut, sie ist immer noch müde, aber sie hat ja ein Bett zum Schlafen.
Ergänzung vom Abend
Ein weiterer Tag ist um und sie ist genügend müde, um schlafen zu können (ist mal die Vorstellung). Die Schmerzen hat sie im Griff. Es gibt noch zwei drei kleinere Schwierigkeiten, die der Spitalaufenthalt so mit sich bringt. Die 2. Operation wird vermutlich am Mittwoch stattfinden.
Eintrag zum Fr.13.10.06
Heute morgen um 7.20 Uhr wird Merita für die Operation abgeholt und in Narkose getaucht. Die Operation dauert bis ca. 11.00 Uhr und um 11.30 Uhr ist sie zurück auf der IPS, wacht auf und ist sehr durcheinander (was normal ist). Durch Morphin und andere Medikamente ist sie schmerzfrei, aber auch belämmert und müde. Die ersten Stunden darf sie nichts trinken, obwohl sie Durst hat. Mit einem Schwämmchen wird ihr der Mund feucht ausgerieben. Um 16.00 Uhr ist sie schon viel fitter und trinkt eine Cola. theoretisch dürfte sie sich aufsetzen und bewegen, aber jetzt wenn sie könnte ist sie auch noch zu müde. Die Operation ist gut verlaufen, Merita hat wenig Blut verloren und der Neurologe hat mir erklärt, dass sie sehr schöne und kräftige Rückenwirbel hat (ist sicher ein Vorteil, wenn ich an meine mechanischen Werkstatterfahrungen denke). Morgen wird ein ct gemacht und die gemachte Arbeit beurteilt. Es besteht die Möglichkeit, dass sie die IPS verlassen muss, wenn ein Notfall mit Brandverletzung eintrifft, was dann auch um 1 Uhr in der Nacht eintritt. Umziehen mitten in der Nacht.
Eintrag zum Do. 12.10.06
Es folgen diverse Untersuchungen und die Operation wird auf den Donnerstag festgelegt. Merita hat Schmerzen und erträgt die unbewegliche Bettruhe auf dem Rücken nicht so gut. Sie hat einen Knopf erhalten, mit dem sie sich selbst Schmerzmittel geben kann. damit wird erreicht, dass sie genug früh Schmerzmittel nimmt. Durch den Bruch der Rippen ist die Atmung erschwert. Da sie aber gut atmen muss, um einer Lungenentzündung vorzubeugen, wird ihr Sauerstoff über die Nase zugeführt. Über Monitore werden die Herzfreuquenz, Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut usw. dauernd überwacht. Ein Mikrofon in ihrer Kabine überwacht die Geräuschkulisse. Ein Neurologe untersucht ein Zittern im Bein, das darauf hindeutet, dass der Lumbalnerv L4 links geschädigt ist. Es kann sein, dass sich dieser wieder erholt, es kann aber auch sein, dass sie im linken Bein allenfalls nicht mehr so viel Kraft hat wie im rechten. Eine Prognose kann nicht gestellt werden. Der 3. Lendenwirbel (siehe auch unter den Links) ist ist gebrochen (etwa 5 Teile gemäss meiner Interpretation der CT-Bilder). In der Operation vom Donnerstag werden die Lendenwirbel 2 und 4 vom Rücken her mittels Titanschienen verbunden, so dass der Abstand gleich bleibt und die Wirbelsäule den Körper wieder tragen kann, ohne dass die Nervenbahnen beeinträchtigt werden. Eine weitere Operation wird dann nötig sein, dasselbe von der Vorderseite an der Wirbelsäule vorzunehmen (Zugang über die Seite). Es wird die Operation noch besprochen mit dem Anästhesist, dem Operateur und dem Stationsarzt, der mir dann auch noch eine Zeichnung anfertigt (es war bestimmt eine bewusste Entscheidung von ihm Arzt und nicht Künstler zu werden). Die Tagespflegefachfrau hat es sehr gut mit Merita und umgekehrt, was sehr gut tut (uns allen). Überhaupt ist die Pflege sehr aufmerksam und zuvorkommend, technisch, wie auch menschlich. Ich erhalte immer ein Getränk nach Wahl, wenn ich komme. Die Intensivstation für Brandverletzte hat für mich als Besucher und auch für die Ärzte einigen Aufwand zur Folge. Wir müssen spezielle Anzüge tragen und immer wieder desinfiszieren. Für das Betreten der Abteilung muss man läuten und warten. Muss ich auf die Toilette, muss ich die Abteilung verlassen und nacher mit neuem Anzug frisch desinfisziert wieder zu läuten. Es folgt bei ihr eine gute Nacht mit reichlich Schlaf, was in der letzten etwas gefehlt hat.
Eintrag zum Mi. 11.10.06
Merita ist alleine zuhause und schneidet mit der Leiter die wilden Reben an der Hausfassade, wie sie das in den vergangenen Jahren schon oft gemacht hat. Irgendwann reisst sie an den hartnäckigen Ästen und verliert dabei den Halt und fliegt mitsamt der Leiter aus ca. 5m bis 6m Höhe auf die Wiese zwischen Sandkasten und Betonplatten. Im ersten Moment verschlägt es ihr den Atem und sie spürt grosse Schmerzen im linken Fuss. Glücklicherweise hat sie ihr Handy in der Tasche und kann es erreichen. Noch im Glauben, es sei nicht so viel passiert telefoniert sie zuerst mit ihren Schwiegereltern, die aber unterwegs sind. Sie ruft um 14.10 Uhr die Ambulanz an, die um 14.18 Uhr eintreffen und sogleich den Notarzt auf die Unfalstelle rufen. Ich selbst bin im Bündnerland auf dem Weg ins Herbstlager als mich das Telefon erreicht. Merita wird ins Spital Uster eingeliefert und untersucht. Der Fuss ist nur verstaucht, aber ein Lendenwirbel, das linke Schulterblatt, einige Rippen und der Unterschenkel sind gebrochen. Die Rückenwirbelverletzung erfordert eine schnelle Einweisung ins Universitätsspital, wo sie erneut untersucht wird. Mittels Computertomographie und diversen Untersuchungen wird die Diagnose bestätigt. Positiv ist, dass Merita zu keiner Zeit bewusstlos war, den Kopf nicht angeschlagen hat und Füsse und Beine spürt bzw. entsprechend der Verletzungen bewegen kann!
Um 19.00 Uhr wird sie in die Intensivstation für Brandverletzungen verlegt. Der Arzt wünscht eine optimale Überwachung und die ist in dieser Abteilung am besten gewährleistet (Betreuung in der Nacht 2:1, am Tag 1:1). Es wird von einer Operation am Freitag gesprochen! Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Das Personal ist kompetent und sehr menschlich, informiert gut.
Eintrag zum Di. 10.10.06